Wirkungsvolle Krebsprävention: Darmkrebs wird Dank Vorsorge häufiger überlebt

24. September 2014

Wer an Dickdarmkrebs erkrankt, hat in Deutschland gute Chancen, die Krankheit zu überleben. Und das ist kein Zufall: Die seit 2002 in Deutschland ab dem 55. Lebensjahr eingeführte Vorsorgespiegelung ermöglicht eine frühe Diagnosestellung.

Fast die Hälfte aller Fälle wird heute so früh erkannt, dass der Tumor heilbar ist. Weltweit einmalig ist die parallele Einführung einer Qualitätssicherung: Jede Vorsorgespiegelung wird hinsichtlich Komplikationen und Ergebnis einheitlich dokumentiert, im Zentralinstitut der Kassenärztlichen Vereinigung gesammelt und ausgewertet. Dabei zeigt sich, die Spiegelung ist sicher und effektiv. Erstmals berechnet das Robert Koch Institut für 2013 eine geringere Sterblichkeit an Dickdarmkrebs (1). Diese sank um 5.000 Todesfälle auf 25.000. Dabei könnte der vorbeugende Effekt noch größer sein, denn jährlich nutzen nur 400.000 Frauen und Männer zwischen 55 und 74 Jahren das Angebot zur Vorsorgeuntersuchung. Angesichts von 17 Millionen Anspruchsberechtigten ist diese Teilnahmequote niedrig.

Die niedrige Teilnahme könnte mit Vorbehalten gegenüber der Untersuchung zu tun haben. Keine Frage: Die Vorstellung, den eigenen Darm mit Hilfe eines 1,5 Meter langen Schlauches untersucht zu bekommen, mag nicht gerade motivieren. Fragt man allerdings Teilnehmer nach der Untersuchung, überwiegt die positive Überraschung über die empfundene Harmlosigkeit der Spiegelung. Denn die Untersuchung erfolgt ambulant, ist nach 20 Minuten erledigt und durch eine Narkosespritze noch angenehmer. Findet der Untersucher einen auffälligen Befund, wie zum Beispiel einen Polypen als gutartige Vorstufe, kann dieser gleich entfernt und das Gewebe näher untersucht werden. Dann ist eine Folgeuntersuchung meist nach fünf Jahren notwendig, sonst erst wieder nach zehn Jahren.

Zwei Qualitätskriterien seien noch erwähnt: die Gründlichkeit der Darmreinigung und die Erfahrenheit des Untersuchers. Letzteres ist Ergebnis einer Studie im New England Journal of Medicine (2): Entdeckt ein Untersucher häufig Polypen, gilt er als erfahren und seine Patienten erkranken seltener an Dickdarmkrebs. Polypen werden aber auch dann übersehen, wenn das Abführen vor der Untersuchung von den Patienten nicht ausreichend erfolgt und der Grad der Restverschmutzung hoch ist. In diesen Fällen übersieht man bei gut einem Drittel der Patienten ein so genanntes Adenom (Vorstufe), was mit einem sauberen Darm in der ersten Spiegelung entdeckt und abgetragen worden wäre. Immerhin waren hierbei 80 % der Adenome bereits fortgeschritten verändert mit hohem Entartungsrisiko (3).

Die Felix Burda Stiftung, engagierte Kämpferin gegen Darmkrebs, hat unter www.darmkrebs.de wertvolle Informationen zusammengestellt. Eine individuelle Beratung und Empfehlungen erhalten Sie gerne bei Ihrem nächsten Besuch bei uns.

Quellen:

(1)    Der Vorteil der Vorsorge wird messbar (FAZ vom 6.8.2014)

(2)    NEJM; doi: 10.1056/NELMoa1309086

(3)    Chokshi RV et al; Prevalence of missed adenomas in patients with inadequate bowel preparation of screening colonoscopy. Gastrointest Endosc 2012; 75:1197-203