Antibiotika und weitere Einflussfaktoren auf die Darmflora

3. Juli 2016

Dass Antibiotika die Darmflora verändern, ist lange bekannt. Auch, dass dies negative Auswirkungen haben kann, wie zum Beispiel blutige Durchfälle als Folge eines gestörten Gleichgewichtes der Darmflora. Eine holländische Arbeitsgruppe konnte nachweisen, dass zahlreiche, andere Faktoren ebenfalls unsere Darmbakterien beeinflussen (1).

Über genetische Untersuchungen der Stuhlproben konnte gezeigt werden, dass vor allem Medikamente unser Mikrobiom, also die Gesamtheit unserer Mikroorganismen im Magen- und Darmtrakt, beeinflussen. Neben dem bekannten Effekt von Antibiotika betrifft dies auch gängige Medikamente wie Säureblocker (Protonenpumpenhemmer (PPI); z.B. Pantoprazol, Omeprazol). In einer früheren Meldung hatten wir bereits auf die Problematik der langfristigen Einnahme von PPI hingewiesen (2). Aber auch das Antidiabetikum Metformin verändert die bakterielle Besiedlung. Eine in der Fachzeitschrift Nature veröffentlichte Studie hat neue Erkenntnisse zur Wirkungsweise von Metformin gezeigt (3): Typ-II Diabetiker weisen neben einer geringen Vielfalt der Bakterien auch einen Rückgang von Bakterien auf, die kurzkettige Fettsäuren wie Buttersäure oder Propionsäure bilden. Letzteres verschlechtert die Blutzuckerregulation. Metformin hingegen fördert die Bildung dieser Bakterien. Allerdings leider auch die von E.Coli, was zu Verdauungsbeschwerden führt.

Aber auch Krankheiten verändern die Darmflora, so die Studie aus Holland. Bei den Darm selbst betreffenden Erkrankungen wie chronisch entzündliche Krankheiten (M. Crohn, C. ulcerosa) liegt dies auf der Hand. Aber auch durchgemachte Herzinfarkte oder eine Depression verändern signifikant die bakterielle Besiedlung des Darms.

Aber wie hängen Darm und Hirn zusammen? Antworten darauf liefern Ergebnisse einer tierexperimentellen Studie an Mäusen, die dieser Tage in der Fachzeitschrift Cells veröffentlich wurde (4). Demnach vermitteln besondere Immunzellen (Ly6Chi-Monozyten) Informationen zwischen Gehirn und Darm. Fehlen diese Immunzellen, nimmt die Bildung von Nervenzellen (Neurogenese) in bestimmten Hirnregionen ab und beeinflusst die Gedächnisleistung.

(1) Science (2016; 352: 560-564 und 565-569)

(2) https://www.preventon.de/Newsarchiv?news_nr=213&jahr=2015

(3) Forslund K et al. Disentangling type 2 diabetes and metformin treatment signatures in the human gut microbiota. Nature 2015; 528 (7581): 262-6

(4) Luisa Möhle et. al: Ly6Chi monocytes provide a link between antibiotic-induced changes in gut microbiota and adult hippocampal neurogenesis. Cell Reports. DOI: 10.1016/j.celrep.2016.04.074